Weltweite Aktionswoche der Kirchen für Frieden, wo kein Friede ist

Israelische Siedlungen auf besetztem palästinensischem Land stehen dieses Jahr im Mittelpunkt der Aktionswoche. Foto: Juan Michel/ÖRK
Australien beschäftigt sich mit Gaza, Österreich veranstaltet Pilgermärsche. In Brasilien diskutieren Studierende über Konflikte in Bezug auf "heiliges" Land. Kanadier, Schotten, Norweger, Briten und Franzosen treten mit ihren Abgeordneten in Kontakt. Führungspersonal kirchlicher Hilfswerke besucht israelische und palästinensische Partnerorganisationen. Und auf die hohe Mauer, die Bethlehem einschließt, projizieren palästinensische Aktivisten/innen nachts Gebete.
Alle diese Aktivitäten sind Teil der Weltweiten Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel vom 4. bis 10. Juni 2009. Kirchen und kirchennahe Organisationen in über 20 Ländern nehmen daran teil. Die Aktionswoche – einberufen vom Ökumenischen Rat der Kirchen – widmet sich dem Gebet, der politischen Bildungsarbeit und dem Eintreten für ein Ende des sechzig Jahre andauernden Konflikts.
"Wir fühlen uns, als wären wir in einer Welt, und als würden alle anderen Menschen, alle anderen Städte, in einer anderen Welt leben", heißt es in einem Gebet eines Schülers, das eventuell auch auf die Mauer projiziert wird; eins von vielen, die eine kirchliche Organisation in Bethlehem online gestellt hat.
Während der Aktionswoche werden die Gebete laut an Orten des Leides verlesen – nahe Siedlungen, an zerstörten Häusern, an Checkpoints, in Flüchtlingslagern und in Gemeinden und Schulen im Westjordanland und in Gaza. Kirchen auf allen Kontinenten wollen die Gebete ebenfalls verwenden.
Menschen und Gemeinden weltweit sind eingeladen, ihre eigenen Friedensgebete für diese Weltwoche nach Bethlehem zu schicken. Die Einladung gilt auch Kirchen, die nicht Mitglied des ÖRK sind.
Während der Aktionswoche des letzten Jahres kamen Gebete aus über 40 Ländern nach Bethlehem, insbesondere dank der Mitglieder von Pax Christi International. Gebete per E-Mail zu schicken ermögliche es den Menschen, zusätzlich zu Veranstaltungen in ihrer Gemeinde "direkte Solidarität zu zeigen", so ein schwedisches Mitglied des Organisationsteams.
Während die Gebete himmlischen Beistand erbitten, setzen sich die Kirchen auch für Veränderungen auf der Erde ein. Am 5. Juni besuchen zwei kirchliche Gruppen in England eine israelische Firma in den West Midlands, die Motoren für Drohnen herstellt, die im Gaza-Krieg zum Einsatz kamen. Nach einer öffentlichen Kundgebung vor Ort werden sie in einer dortigen Kirche ein Friedensmahnmal aus Feldsteinen bauen.
Schwerpunkt Siedlungen
Israelische Siedlungen auf besetztem palästinensischem Land, die nach internationalem Recht illegal sind, stehen dieses Jahr im Mittelpunkt der Aktivitäten.
Ein britischer Leitfaden listet Siedlungsprodukte auf und befasst sich mit der Frage, wie Menschen und Gemeinden in der Europäischen Union mit Handelsunternehmen und Regierungen umgehen sollen, die in wirtschaftlichen Beziehungen zu der Besetzung stehen. Das Dokument wurde von der Quäker-Organisation Quaker Peace and Social Witness erstellt, einer der zwölf britischen Organisationen, die an der Aktionswoche teilnehmen.
Abgeordnete, lokale Gemeindemitglieder und ein Mitglied des palästinensischen Parlaments werden am 10. Juni im schottischen Edinburgh zu einem Informationsabend erwartet. Um in die Kirche zu gelangen, werden sie um ein Bild der Trennmauer in Original-Höhe gehen müssen.
Kirchliche Gruppen in Frankreich haben sich einer zivilgesellschaftlichen Kampagne für die Rechte der Palästinenser angeschlossen, die sich auf die Kandidatinnen und Kandidaten der Europawahlen am 7. Juni konzentriert. Die Mehrzahl der australischen Parlamentsabgeordneten haben einen Bericht über die humanitäre Situation in Gaza zusammen mit einem Anschreiben von Kirchenvertreterinnen und -vertretern aus Canberra entgegengenommen. In der Zwischenzeit haben 3000 australische Gemeinden Informations-Sets über Israel und Palästina erhalten.
Teilnehmer aus den verschiedenen Ländern berichten, dass gemeinsame Aktionen während der Aktionswoche im Juni oftmals individuelle kirchliche Aktionen für Frieden in Israel/Palästina während des restlichen Jahres stärken oder befördern.
Aufklärung über falsche Informationen ist ein Ziel dieser Woche. Die norwegischen Organisatoren untersuchen konfliktbezogene Probleme in Tourismus und Theologie. Ein Tourismusseminar wird sich mit einem Verhaltenskodex beschäftigen, der von palästinensischen Tourismus-Gruppen erstellt wurde. Ein Theologieseminar wird sich mit dem Konzept des "Verheißenen Landes" befassen; die Leitung übernimmt ein Pfarrer, der jüngst ein Buch zu diesem Thema geschrieben hat.
In den Niederlanden wird eine Staffel des Geschichtenerzählens von der Küste aus durch das Land ziehen. Die Idee geht zurück auf kirchliche Protestaktionen während des Gaza-Krieges.
In den Philippinen ist die Aktionswoche ein Antrieb für eine neue Solidaritätsgruppe für den Frieden, die religiöse, akademische, indigene und Jugendorganisationen vereint und der Protestanten, Katholiken und Muslime angehören.
Mithilfe einer Liturgie aus Irland werden Gemeinden und Konferenzen in Brasilien, Österreich, Südafrika, in den USA und anderen Ländern lernen, singen und um Frieden beten. Die Gottesdienstordnung wurde von einem Besuch von Kirchenleitenden in den besetzten palästinensischen Gebieten während der letzten Aktionswoche inspiriert. Sie beinhaltet Zeugnisse von jungen Palästinensern und Israelis zum Thema Frieden.
Ein von den Kirchenoberhäuptern in Jerusalem ausgerichteter ökumenischer Gottesdienst ist seit der ersten Aktionswoche die zentrale Veranstaltung. Dieses Jahr findet der Gottesdienst am 7. Juni in Ost-Jerusalem statt. Das Gebet der Jerusalemer Kirchenoberhäupter haben alle 349 ÖRK-Mitgliedskirchen in über 100 Ländern erhalten.
Die weltweite Aktionswoche und ihre gemeinsamen Aktivitäten sind Teil des Ökumenischen Forums für Israel/Palästina, das der ÖRK ins Leben gerufen hat.
Weltweite Aktionswoche für Frieden in Palästina und Israel
Kommentar von Desmond Tutu (auf Englisch; mp3; 5,9 MB; 6 min)
ÖRK-Mitgliedskirchen in Israel/Palästina
ÖRK-Besuche der Lebendigen Briefe in Israel/Palästina


