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Bedrängung ohne Ende

22.12.09

Von: Michael, EA in Hebron

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Seit vielen Jahren wird das kleine Beduinendörfchen Um al Kher von den Bewohnern der unmittelbar benachbarten israelischen Siedlung Karmel bedrängt. Shu’eib Al Hathaleen, Familienoberhaupt der Al Hathaleen Familie schimpft: "Die Siedlungen und Straßen, die nur für die Israelis bestimmt sind, versperren uns den Zugang zu unseren Weideflächen." Außerdem komme es immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen gegen die Beduinen.

 

Die Karmel Siedlung ist eine strategische und von ständiger Erweiterung getriebene Siedlung. Die Zufahrtsstrasse nach Karmel trennt das Dorf in zwei Teile. Die Beduinen stehen unter massivem Druck, ihr Dorf zu verlassen. Um al Kher ist eine der meist gefährdeten Gemeinden innerhalb der besetzten palästinensischen Gebiete.

 

 Die Siedler kamen Anfang der 80er Jahre in die Region südlich von Hebron. Um Al Kher ist mittlerweile buchstäblich umzingelt, im Süden liegt die Siedlung Ma’on und im Norden Karmel. Beide wurden zum Großteil auf dem Land der Beduinen errichtet. Die Siedler sind den überwiegend in Zelten lebenden Hirten gegenüber feindlich eingestellt. "Meistens ist es mit Beschimpfungen abgetan", berichtet Shu’eib, aber manchmal "werfen sie nachts Steine auf unsere Zelte, stehlen unsere Hühner oder sie erschießen unsere Schafe und Ziegen und die Hirtenhunde".  Sogar Kinder blieben vor den Misshandlungen ihrer unliebsamen Nachbarn nicht verschont. Im vergangenen Frühjahr traf es eine im achten Monate schwangere Frau, die Siedler aus Ma’on krankenhausreif  verprügelten. Ziel der steten Schikanen ist, die Beduinen von ihrem Land zu vertreiben.

 

Für den Al Hathaleen Clan, der zum Stamm der Jahalin-Beduinen gehört, wäre es nicht das erste Mal, vertrieben zu werden. Ursprünglich stammen die Jahalin aus der Nähe von Arad in der Negew-Wüste. Mit Gründung des Staates Israel wurde die Gruppe gespalten und über die östliche, kargere Region des Westjordanlandes verteilt, wo sie nun unter permanenter Bedrohung leben, von israelischen Siedlungen erneut verdrängt zu werden. Die israelische Militärverwaltung erteilt ihnen keine Baugenehmigungen und dass, obwohl die Beduinen schon in den 50er Jahren einen Teil des Landes, auf welches sie im Jahr 1948 umgesiedelt worden waren, käuflich erworben haben.

 

In Um Al Kher gibt es außer den Zelten für die Familien nur ein festes Gebäude aus Rohbeton. Andere Gebäude wurden bereits mehrmals vollständig oder teilweise abgerissen, die Militärverwaltung hat für das gesamte Dorf den Abriss verordnet. Die Beduinen sind gerade dabei, eine zerstörte Toilette wieder aufzubauen. Trotz der andauernden Bedrohung von Soldaten und Siedlern geben sie nicht auf; Shu’eib sagte stolz „ wir haben ein kleines Fußballfeld und einen Garten angelegt.“ Zusammen mit israelischen und internationalen Menschenrechtsgruppen wollen die Beduinen eine Verbindungsstraße zwischen den zwei Dorfhälften und eine Solarenergieanlage aufbauen. Um al Kher verfügt nicht über Strom.

 

Auch diese Ansätze wurden neulich jäh unterbunden, erklärte uns Shu’eib wütend. Die IDF hat einen offiziellen Brief an die Entwicklungshilfeorganisation OXFAM geschrieben und gewarnt, dass ihre Unterstützung für ein Dorf in diesem von Israel vollständig kontrollierten Teil der Westbank eine kriminelle Unternehmung wäre. OXFAM hat daher alle weiteren Projekte auf  Eis gelegt, so dass die Durchführung jetzt von den Freiwilligen der israelischen Organisationen Ta'ayush und Combatants for Peace erfolgt. Diese sind wenig beeindruckt von den Regeln der Israelischen Armee und haben keine Angst vor dem Risiko, mit Geldbußen oder Haft belangt zu werden. Die Dorfbewohner stehen auch der Palästinensischen Autonomiebehörde äußerst kritisch gegenüber, die sie ihres Erachtens nach vergessen und vernachlässigt hat und noch weiterhin ignorieren möchte: "Wir haben eine massive Unterstützung in Worten, aber nicht in Taten."

 

Auf der anderen Straßenseite, wo die Karmelsiedlung nach Westen ausgebaut wird, zeigt uns Eid die kaputte Zisterne, welche für die Tränkung ihrer Tiere so wichtig wäre. Eid, der junge Wortführer dieses Teils des Dorfes, erklärt, daß „die Sammelrinnen der Zisterne durch die Bauarbeiten an einer neuen Straße für die Siedlungserweiterung zerstört und nicht repariert wurden“.

 

Die ohnehin dürftige Wasserversorgung, nur eine dünne Leitung führt zum Dorf, wird von den Siedlern ständig „unterbrochen oder gedrosselt,“ sagt Eid. „Da die Zisterne nun auf dem Gelände der Siedlung liegt, versorgen die Siedler bevorzugt ihre Hühner- und Rinderzüchtung. Neulich hatten wir 12 Stunden lang kein Wasser, letzten Sommer mussten wir und unser Vieh sogar 20 Tage ohne fliessendes Wasser auskommen, bis ein befreundeter israelischer Professor für „Wassermanagement“ bei den Siedlern intervenieren konnte.

 

Eid ist das Risiko eingegangen, sein Haus ohne Genehmigung aus Beton bauen zu lassen; es könnte jederzeit abgerissen werden. Er betont ganz ruhig, aber mit großer Entschlossenheit, daß er „ein Recht darauf hat, ein Haus auf seinem Land zu bauen. Ich werde nicht von hier wegziehen, so wie es die Siedler gern hätten. Ich möchte meine Kultur als Beduine behalten, das bewahren was für uns essentiell ist; dazu gehört hier zu leben und weiter als Hirten zu arbeiten.“


Und Shu'eib Al Hathaleen, das Familienoberhaupt, schliesst mit einem Gedanken, der ihm sehr am Herzen liegt: „...meine Geschichte im Radio zu erzählen und zu verbreiten, auch wenn ich deshalb ins Gefängnis geworfen würde.“

 

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