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10.03.07 00:00 Alter: 2 yrs

Als oekumenische Begleiterin unterwegs nach Bethlehem

Kategorie: First-hand information

Von: Elisabeth C.Miescher aus der Schweiz

 

Jerusalems Altstadt empfaengt unsere Gruppe von 26 Frauen und Mäenner im Alter von 25 – 76 Jahren, aus neun Laendern. Wir werden mit den Problemen und dem schwierigen Weg zum Frieden vertraut gemacht, wir finden uns in unsern Teams zu je vier Menschen zusammen. Wir lernen etwas Hivrit und ueben arabische Alltagskonversation – wir finden uns in der Altstadt zurecht und erleben das Nebeneinander christlicher Kirchen und orthodoxer Juden. Glocken vermischen sich morgens mit dem Rufe des Muezzins. Hufe der Pferde israelischer Soldaten widerhallen in den engen Gassen. Die Altstadt beherbergt ein scheinbar friedliches Zusammenleben. Am Freitag sieht es anders aus: einige hundert Moslems beten gegenueber dem Damaskustor, aus Protest gegen die Grabungen unter dem Zugang zur Al Aksa Moschee; alle Maenner, die juenger sind als 45, werden nicht in die Altstadt eingelassen. Viele und Polizisten riegeln die Zugaenge ab.

Ende Februar machen wir oekumenischen BegleiterIinnen uns auf in unsere Wirkungsstaette, nach Bethlehem, das mit dem Bus in einer knappen halben Stunde zu erreichen ist. Eine acht bis zwoelf hohe Mauer trennt die Westbank von Jersusalem. Der Bus haelt beim Checkpoint. Bald sind wir durch die Kontrolle und gehen zu Fuss in unsere Wohnung: ein Ire, eine Schwedin, eine Amerikanerin und ich sind gemeinsam fuer unsere Arbeit verantwortlich. Wir waren bereits drei Tage zur Einfuehrung dort und haben unsere palaestinensischen PartnerInnen kennen gelernt.

 

Bethlehem, der Geburtsort von Jesus, eine Stadt mit vielen Kirchen und frueher vielen Touristen, ist eine stille Stadt geworden. Sie liegt suedlich von Jerusalem in der Westbank, umgeben von illegalen Siedlungen, mit eng aneinandergebauten mehrstoeckigen Haeusern. Im Morgenlicht sind diese kaum sichtbar; die Huegelzuege erscheinen unbewohnt wie wohl zu Zeiten von Jesus. Doch im Abendlicht gleichen sie Festungen; nachts heller beleuchtet als Bethlehem.

Weitere Siedlungen sind geplant und verschlingen Land. Damit wird den Bauern das Einkommen entzogen. Alte Olivenbaeme geben bis zu 28 Liter Olivenoel. Gleich nach unsrer Ankunft werden wir aufgefordert, im steinigen Gelaende junge Olivenbaeume zu setzen. Eine Gruppe von etwa dreissig Freiwilligen aus verschiedenen Nationen macht sich mit Einheimischen an die Arbeit. Nach einer guten Stunde sind die 140 kleinen Olivenbaeume sorgfaeltig gepflanzt. Es wird fuenzehn Jahre dauern, bis sie Oliven tragen. Der Bauer John, ein Christ, ist ohne Hoffnung. Die Haelfte seines Landes hat er durch den trennenden Zaum verloren. Wird er noch erleben, dass er Oliven von diesen kleinen Baeumen ernten kann?

 

Die Mauer erschwert den Zugang ins Zentrum von Bethlehem. Die Souvenirlaeden haben offen, doch nur selten betritt sie ein Tourist oder eine Pilgerin. Israelis koennen nicht mehr in die besetzten Gebiete der Westbank und dort einkaufen. Auch Jesus koennte als heutiger Jude aus Nazareth seine Vaterstadt nicht besuchen, es sei denn, er haette einen auslaendischen Pass. Das Grab von Rahel, der Mutter von Joseph und Benjamin,.ist von der hohen Mauer umgeben. Kein Palaestinser kann diesen Ort, der Juden, Muslimen und Christen heilig ist, betreten. Zwei palaestinensiche Familien wohnen noch dort, neben einem israelischen Armeekommando. Der Weg in ein grosses Fluechtlingslager, das Aydacamp, fuehrt dort vorbei. Es liegt im Schatten der Mauer. Die Jugendliche warten auf den Englischunterricht, der sie auf eine lockere Art mit vielen Spielen in eine andere Welt entfuehrt. Lachen erfuellt den Raum, wenn die auslaendischen Lehrer und Lehrinnen die arabischen Namen falsch aussprechen und sie nur mit Muehe behalten koennen.

 

Die Hotelbelegung in Bethlehem liegt bei 2,2%. Restaurants sind meist leer. Entsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit. Viele Geschaefte koennen kaum die Miete einbringen und muessen schliessen. Wer in Jerusalem Arbeit hat, muss taeglich den muehsamen Weg durch den dreifachen Checkpoint auf sich nehmen. Eine lange Schlange von gegen tausend Menschen wartet, bis sich der Checkpoint um fuenf Uhr oeffnet. Bei meinen Einsatz als Begleiterin werde ich meist freundlich von den vielem Maennern empfangen. Sie erkennen mich an der hellen Weste mit dem Signet des oekumenischen Rates der Kirchen auf dem Ruecken . Wenn die Soldaten erst spaeter kommen, koennen die Freiwilligen versuchen, Einfluss zu nehmen. Es dauert oft drei Stunden oder laenger, bis die Maenner und einige wenige Frauen den Bus nach Jerusalem nehmen koennen. Wer zu spaet zer Arbei kommt, riskiert entlassen zu werden.

 

Einige Menschen leben so nahe an der Mauer, dass sie die Sonne kaum mehr sehen. So sagte unsere Arabischlehrerin Clemence: „Frueher haben wir die Sonne orangefarben aus dem Toten Meer aufgehen gesehen, jetzt sitzen wir viele Stunden im Schatten.“

 

 

 

Elisabeth C. Miescher ist von Peace Watch Switzerland ( www.peacewatch.ch ) als oekumenische Begleiterin nach Palaestina/Israel geschickt worden. Sie nimmt teil am oekumenischen Begleitprogram in Palaestina und Israel(EAPPI) des Oekumenischen Rates der Kirchen. Der Text gibt ihre persoenliche Meinung wieder und ist keine Stellungnahme von Peace Watch Switzerland oder EAPPI.