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12.03.08 10:50 Age: 255 days

Ein durchwegs positiver Anfang unseres Einsatzes in Hebron

By: Erika Steinmann, EA Switzerland

 

An unserem ersten offiziellen Arbeitstag begleiten wir eine friedliche Aktion der Palästinenser. Sie wollen gegen die Blockierung der Verbindungstrasse zwischen Yatta und At Tuwani demonstrieren und diese versuchen aufzuheben[1]. Nach einem Selbstmordanschlag im Gazastreifen wurde die Strasse als kollektive Strafe von der israelischen Armee mit Betonblöcken und Erdhügeln abgeriegelt. Von den Dorfbewohnern wurde eine temporäre Umfahrungspiste erstellt, die aber bei Regen unpassierbar ist. Folglich ist der Zugang zu medizinischer Versorgung für die Bewohner der Region nicht immer gewährleistet. Bei schlechtem Wetter hätte eine schwangere Frau bei ihrer Niederkunft nicht ins Krankenhaus gehen können oder einen stundenlangen Umweg in Kauf nehmen müssen. Bei einem Treffen der Dorfchefs wurde vereinbart, dass es eine gewaltfreie Demonstration stattfinden sollte. Wir besprechen mit den anderen Internationalen die verschiedenen Szenarien, da wir nicht wissen, wie die Demonstration verlaufen wird. Wir rechnen mit dem Aufmarsch der Armee, aber auch mit der Anwesenheit von Siedler aus der Umgebung, die immer wieder Probleme bereiten.

 

Um zehn Uhr fahren die ersten Traktore vor. Ringsum sieht man die Leute von den Hügeln herunterkommen. Schon vorher konnte man eine Häufung von Militär- und Polizeipatrouillen beobachten. Die Israelis wissen natürlich auch, dass etwas im Gange ist. Zuerst fangen die Männer aus den Dörfern an, mit Schaufeln den Erdhügel abzutragen. Kurze Zeit später sind zirka zwanzig schwerstbewaffnete Soldaten mit fünf Fahrzeugen vor Ort. Sie beobachten gespannt die Szene. Die gut ein Dutzend anwesenden Internationalen und die Presse halten zum Schutz der Bevölkerung alles auf Film und Foto fest. Ich komme mir irgendwie auch bewaffnet vor: „Wenn Du einen falschen Schritt machst, habe ich es auf dem Foto!“

 

Bald getrauen sich auch die Frauen näher an das Geschehen heran. Sie greifen nach den Schaufeln. Mutig stellen sie sich mit ihren Kindern zwischen die Soldaten und die dahinter arbeitenden Männer und fangen an Erde abzutragen. Für einen kurzen Moment ist die Atmosphäre angespannt, die Soldaten scheinen Instruktionen bekommen zu haben. Wir ziehen uns auf den nächsten Hügel zurück um einem Tränengasangriff hoffentlich ausweichen zu können. Vier Soldaten postieren sich oberhalb von uns am Hügel und nehmen somit den strategisch wichtigsten Punkt ein. Allerdings haben wir auch da oben Internationale Beobachter mit Videokameras postiert, die die Totale filmen. Die Stragegie scheint wirksam zu sein, die Soldaten greifen nicht ein beobachten das Geschehen jedoch genauestens.

 

Die Dorfbewohner arbeiten weiter an der Aufhebung der Blockade. Sie halten kurz vor zwölf Uhr einen Rat ab und beten danach. Mit der Zeit entspannt sich die Lage. Ich sehe wie die Soldaten miteinander und zum Teil auch mit den palästinensischen Kindern Witze machen.

 

Vereinzelt fahren Siedler aus der Umgebung vorbei und halten kurz an, machen aber sonst keine Probleme. Auch im Dorf, wo zwei Internationale zur Sicherheit zurückbleiben, tauchen sie nicht auf.

 

Gegen 14 Uhr wird der letzte Betonblock weggerollt und die Strasse ist frei. Als erstes fährt ein Kleinlaster mit einer Kuh auf der Ladefläche die wiedereröffneten Strasse hoch. Die Kuh musste den ganzen Morgen da ausharren, denn sie diente als Symbol für die Einschränkung der Bewegungsfreiheit aufgrund der Strassensperrung. Die Leute gehen nach getaner Arbeit langsam nach Hause. Die Soldaten ziehen sich zurück. Nachdem wir den Schauplatz verlassen, fährt das letzte Fahrzeug der Armee weg.

 

Werden wir nächste Woche, wenn wir nach At Tuwani und Susiya gehen, die Strassenblockade wieder vorfinden? Zumindest ist für den Moment jeder glücklich über den guten Ausgang der Aktion. Wir werden vom Organisator der Aktion noch zum Tee nach Hause gebeten.

 

Angeblich wurde die Strasse durch die israelische Armee bis heute nicht wieder blockiert. (Stand am 12. März 2008).

 


[1] Das UN Office for Coordination of Humanitarian Affairs (UNOCHA) zählte 569 physische Hindernisse in der West Bank (letzter Update publiziert am 31. Januar 2008/UNOCHA Humanitarian Monitor www.ochaopt.org).

Photos:
1. Aufmarsch des Militaers_EAPPI und CPT sind als Schutz der Palaestinenser present
2. Dorfbewohner von Yatta und At-Tuwani besammeln sich zur Demonstration

3. Ladewagen mit Kuh ist erstes Fahrzeug das die Sperre passiert
4.
Palaestinensische Frauen helfen mit das Hinderniss abzutragen